„Vertrauen ist der Anfang von allem“ hieß einst ein Slogan einer großen deutschen Bank. Und die aktuelle Krise lehrt: „Misstrauen ist der Anfang vom Ende.“ Krisenzeiten sind Zeiten der Verunsicherung, ja der Angst, also des Misstrauens. Angst lähmt uns Menschen, lässt uns in allzu bekannte Stressmuster (Flucht, Aggression, Lähmung etc.) verfallen.
Banken misstrauen einander und leihen sich gegenseitig kein Geld mehr. Verbraucher misstrauen den vermeintlichen Versprechungen des Marktes und drosseln ihren Konsum. Bürger misstrauen dem politischen Handeln und gehen nicht mehr zur Wahl. Unternehmen misstrauen der wirtschaftlichen Entwicklung und halten Investitionen zurück. Führungskräfte misstrauen den Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter und vertrauen eher „externen Ratgebern“. Mitarbeiter misstrauen der Krisenbewältigungskompetenz ihrer Führungskräfte und gehen in die innere Distanz. In der Krise ist aber nüchternes, überlegtes, vertrauensvolles und vor allem intentionales Handeln gefordert. Wir als Führungskräfte können in krisenhaften Zeiten Unsicherheit nehmen, indem wir Halt und Orientierung bieten. Wir können innere Distanz und innere Kündigung vermeiden, indem wir Menschen vertrauensvoll begegnen und ihnen etwas zu-trauen und zu-muten. Gerade in der Krise braucht es personales Führen. Ein Führen, das die Menschen im Unternehmen ernst nimmt und sie vertrauensvoll in die Bewältigung einbindet. Was aber ist Vertrauen? Wie entsteht Vertrauen? Welches Handeln lässt Vertrauen wachsen und wie baut man eine Vertrauenskultur auf? Diesen Fragen möchte ich in diesem Artikel nachgehen. Was ist Vertrauen?1. Durch eine charakterliche Reife, die sich in Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit zeigt – sprich durch persönliche Integrität. Glaubwürdigkeit wird uns von unseren Mitmenschen verliehen. Wir bekommen sie dann, wenn wir Zusagen einhalten, wenn wir in unseren Handlungen vorhersehbar und einschätzbar sind, wenn wir im Denken, Reden und Tun kongruent sind. Martin Buber, der große jüdische Philosoph drückt dies prägnant aus: „Der Ursprung allen Konflikts (Misstrauens) zwischen mir und meinen Mitmenschen ist, dass ich nicht sage, was ich meine, und dass ich nicht tue, was ich sage.“
2. Indem wir als Führende einen angstfreien Dialograum für Mitarbeiter schaffen, in dem sie „ihre sie bewegende Sache“ dem Gespräch anvertrauen können. Das bedeutet: Nähe herstellen, zuhören, keine hierarchischen Barrieren aufbauen.
3. Indem wir Mitarbeitern Schutz und Halt vermitteln und ihnen Raum geben. Praktisch gesprochen bedeutet dies: Menschen in ihrer individuellen Eigenart und Fassungskraft annehmen; Klarheit über Erwartungen, Verantwortlichkeiten und Befugnisse schaffen; Vertraulichkeit und Diskretion in persönlichen Angelegenheiten wahren; Mitarbeiter vor Übergriffen aller Art (Mobbing) schützen; Fürsorglichkeit zeigen durch persönliche Anteilnahme; Fehler zugeben können und sich vor Mitarbeiter stellen; Mitarbeitern Platz für die Entfaltung ihrer Fähigkeiten geben; d. h. ihnen Handlungsspielräume gemäß ihrer individuellen Fähigkeiten zugestehen.
4. Indem wir als Führende transparente und haltgebende Strukturen schaffen (z. B. klare Entscheidungswege) und Rituale einführen wie regelmäßige Jour fixe, Teamsitzungen etc.
5. Indem wir als Führende mit unseren Mitarbeitern Spielregeln der Zusammenarbeit erarbeiten, die Klarheit darüber schaffen, wie wir miteinander umgehen wollen.
6. Indem wir als Führende für Orientierung sorgen, Vorstellungsbilder der Zukunft entwerfen (Visionen, Leitbilder) und klare Ziele vereinbaren.
7. Indem wir als Führende transparente Entscheidungen treffen und Mitarbeiter – so gut es geht – daran mitwirken und partizipieren lassen.
Vertrauen – wie weit soll es gehen?
„Wenn Vertrauenswürdigkeit gegeben ist, kann die Kontrolle (die eigene Zurückhaltung) abgegeben werden“, so Alfried Längle. Führung, die auf Vertrauen aufbaut, ist „robust“, wie es Fredmund Malik ausdrückt, schafft also ein Klima, in dem Führungsfehler und Krisen auszuhalten und zu verkraften sind. Und die Erfahrung lehrt uns, dass Menschen, denen man etwas zutraut (Mut), ungeahnte Kräfte freisetzen können und an ihren Aufgaben wachsen.