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MCSL in der Presse: August Zirner beim 20. Abend der Sinne

Angereist ist er mit dem großartigen Essener «Spardosen-Terzett», um in das verrückte Leben der Jazzlegenden Thelonious Monk, Roland Kirk und Charles Mingus einzutauchen. «Diagnose: Jazz» steht da nicht von ungefähr als Titel über dem Programm mit wahren (und ersonnenen) Geschichten aus dem Leben der drei Ausnahmemusiker. Heilung gibt es wohl keine, wenn man von der Musik besessen ist, aber für jeden Zuhörer, der sich ihr hingibt, ist sie Balsam auf die Seele.

Zumal, wenn sie so exzellent dargeboten wird, wie an diesem Abend. Glasklar ist Zirners Ansatz schon beim ersten Solo, man bedauert es jedesmal, wenn er sein Instrument von den Lippen nimmt (aus der Hand gibt er es nie), aber dann käme man ja nicht in den Genuss seiner sonoren Stimme, mit der er die erstaunlichen Storys fast körperlich erfahrbar macht. Etwa wenn der Polizistenschlagstock dem «Niggerarsch» Monk auf die Pianistenhände prügelt.

Dazwischen lässt Zirner auch den anderen genügend Raum zur Entfaltung. Dann steht er lässig an den Flügel gelehnt dabei, zufrieden grinsend über Pianist Rainer Lipski, der sich förmlich hineinlehnt in seine Tasten, über den lakonisch-witzigen Bassisten Kai Struwe oder Schlagzeuger Mickey Neher, der mit den Besen den Jazzrhythmus anrührt.

Alles wird Ton in dieser dichten Vortragsstunde, die Noten, die Worte, das Atemholen, alles fließt aufs Vortrefflichste ineinander.

Ein exzellentes Menü - und einige Gläser Rotwein - später besteht Zirner darauf, fürs Personal noch eine Zugabe draufzulegen. Die Stühle sind bereits herausgeräumt aus dem barocken Rondell und so schart sich das gut gelaunte Publikum im Stehen zur Jamm-Session um dieses famose Quartett. Alles wippt und schnippt zu «Summertime», Zirner groovt locker durch die Reihen, verteilt schließlich sogar kleine Plastikflöten, um gemeinsam mit seinen begeisterten Zuhörern ein «Here comes the Whistleman» zu trillern. Ein Heidenspaß als krönendes Finale.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Allgäuer Zeitungsverlages.