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Interview mit Dr. med. Dieter Gabányi

Trainer des Seminars: Persönliche Leistungskraft erhalten - ein ganzheitliches Gesundheitstraining

Dr. med. Dieter GabányiDr. med. Dieter Gabányi

Die meist gestellte Frage unter Menschen ist: Wie geht es dir?, d.h. die Frage nach der Gesundheit und dem Wohlbefinden. Was ist Gesundheit? Was umfasst Gesundheit? Und was ist Krankheit?
Gesundheit ist körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden. Wir sind in der Lage unser Leben zu meistern, unsere (Lebens-)Aufgaben zu erfüllen, uns zu entwickeln. Krankheit ist eine Störung unserer Lebenskraft, hindert das Wohlbefinden, kann aber auch Lernen und Entwickeln fördern.

Krankheit hat immer Ursachen. Hat Krankheit aber auch Sinn? Liegt darin auch etwas Heilsames, z.B. um sich über das eigene Leben klarer zu werden?
Hinter allem steht irgendein Sinn. Es ist nichts umsonst, schon gar nicht sollte das Leiden (Krankheit) umsonst sein. Den Sinn zu erkennen, sich danach richten, führt oft zur Heilung.
Viele Patienten sagen, ohne die Krankheit wüsste ich weniger über mich und die Welt. Manche Krankheiten, z. B. viele der so genannten Infekte, sind zur Entwicklung eines funktionierenden Immunsystems nötig, zumindest trainieren sie es. Und ohne Training, im weitesten ohne Nutzung, keine Leistung. Ohne benutzt zu werden, verkümmern die Körperteile.

Viele Menschen gehen erst zum Arzt, wenn sie krank sind. Unsere Gesellschaft ist fixiert auf Reparatur. Wie kann man rechtzeitig Veränderungen erkennen und Beschwerden vorbeugen?
Veränderungen sind oft schleichend, sodass sie uns nicht oder zu spät auffallen.
Einmal im Jahr sollten wir uns 1-2 Stunden Zeit nehmen und uns am besten nach einer Checkliste über unseren inneren und äußeren Zustand, den Funktionen und dem Befinden Rechenschaft abgeben. Bleiben dabei Unklarheiten, sollten wir einen kompetenten Arzt aufsuchen, der uns ernst nimmt.
Zur Vorbeugung: Bei einer Krankheit ist vorher immer etwas falsch gelaufen. Im weitesten Sinne richtig zu leben ist die beste Vorbeugung. Ich muss erkennen, was für mich richtig ist. Das ist nicht immer einfach, besonders wenn wir uns nach Mode und starren Normen orientieren. Sehr oft gehört dazu, den Dingen und auch Selbsterkenntnissen nicht aus dem Wege zu gehen.

Ist der Körper in der Lage, seine Gesundheit selbst zu erhalten?
Ja, wenn er richtig genutzt wird und keine Erbkrankheiten existieren.

Wie wichtig ist das Immunsystem, wie entwickelt es sich und wie funktioniert es?
Auseinandersetzen, dafür ist das Immunsystem da, ist das Leben schlechthin.
Wir müssen uns mit Luft, Nahrung, anderen Menschen, also unserer Umwelt ständig auseinandersetzen, um zu leben. Die Fähigkeit dazu erlernen wir von Kindheit an, mit jeder Auseinandersetzung. Wir nehmen Dinge auf, erkennen und verarbeiten sie zu unserem Nutzen. Dingen, die uns das Leben bietet (oder aufzwingt – je nach Standpunkt ), aus dem Wege zu gehen, ist vielleicht mal nötig, wenn uns etwas zerstören würde. In der Regel gilt: Jede bestandene Auseinandersetzung entwickelt und stärkt unser Immunsystem, vor allem auch das damit verbundene Selbstvertrauen.

Wie kann ich – im Sinne der ganzheitlichen Medizin – die eigenen Kräfte mobilisieren, um zu einer Stärkung des Körpers und dadurch der ganzen Persönlichkeit zu gelangen?
Im Bewusstsein und der Akzeptanz der eigenen Fähigkeit und Anlagen diese anwenden, die Auseinandersetzung des Lebens selbstbewusst annehmen, uns etwas zumuten, uns zu lieben. Das ist immer ein individueller Vorgang, den ich selbst machen muss.

In welchen Fällen oder bei welchen medizinischen Indikationen ist die Ganzheitsmedizin die rechte Wahl? Wo ist es sinnvoller, die herkömmliche Medizin in Anspruch zu nehmen?
„Ganzheitsmedizin“ ist immer richtig, d. h. das Individuum muss als Ganzes und als eine Einheit betrachtet werden, auch dann, wenn wir in Teilen, z. B. bei Operationen oder mit bestimmten Medikamenten, behandelt werden müssen. Eine gute Medizin, auch die herkömmliche, betrachtet immer den ganzen Menschen und die Auswirkungen ihres Handelns auf die gesamte Person, und wägt danach ihr Vorgehen ab. Ganzheitsmedizin ist kein Privileg einer bestimmten medizinischen Richtung, selbst wenn manche Fachrichtungen damit mehr Probleme haben als andere. Für den Homöopathen im Sinne Hahnemanns ist das ganzheitliche Betrachten allerdings eine Arbeitsvoraussetzung.

Wie erkenne ich als Patient einen guten Ganzheitsmediziner? Gibt es da vergleichbare Kriterien?
Indem ich mich als ganze Person ernst genommen fühle. Dazu gehört sicher eine umfassende Fragestellung nach meinem Befinden.

Patienten mit vegetativen Störungen fühlen sich oft bei Ärzten nicht ernst genommen. Ist die Vorbeugung gerade im Stadium der funktionellen Störung nicht besonders wichtig und auch erfolgreich?
Das vegetative Steuerungssystem ist die wichtigste Einstellungsmöglichkeit unseres Körpers auf die Lebensbedingungen. Es ist eine unbewusste Steuerung, mit dem Willen nicht direkt beeinflussbar; Störungen sind objektive Äußerungen des Körpers, keine Einbildungen.
Vegetative Störungen sind oft erste Störungen, die zwar noch keine körperlich feststellbaren Schäden zeigen, aber oft und unbehandelt zu ihnen führen.

Viele Führungskräfte und Manager sind im alltäglichen Berufsleben, im Kampf um Erfolg und Anerkennung, überfordert oder überfordern sich selbst. Sie überhören die Signale ihres Körpers und finden nicht die richtige Balance für ihr Leben. Wie können Führungskräfte ihr körperliches und seelisches Gleichgewicht finden?
Bewusst Zeiten für sich einräumen, die zur Erholung, Entspannung und vor allem Selbstfindung dienen! Ehrlich sich die Fragen stellen: Ist das alles mein Leben? Was kann ich davon weglassen, was muss hinzukommen? Welche Teile meiner Person kommen zu kurz, welche werden überfordert? Wie steht’s mit dem Wohlbefinden?
Arbeit ist ein ständiger Kompromiss zwischen Selbst- und Fremdbestimmung und in der Natur eines gesunden Kompromisses liegt die Berücksichtigung beider Seiten. Dazu muss ich immer wieder mal feststellen, was mir und meinem Körper gut tut.

Künftig wird die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen maßgeblich davon abhängen, wie stark sie sich für die körperliche, seelische und soziale Gesundheit ihrer Mitarbeiter einsetzen.  Was können bzw. sollten Unternehmen diesbezüglich konkret tun?
Wir wollen nicht zu romantisch sein, die angeführte Feststellung trifft wohl nur für die kurz- oder mittelfristig nicht ersetzbaren Mitarbeiter zu.
Gleichwohl ein paar Punkte :
- die arbeitsmedizinischen Standards für Arbeitsplatz, Arbeitszeit und Umwelt beachten
- körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden beachten, soweit es im
Bereich des Betriebes liegt
- Mitarbeiter zur Vorsorge und zur Balance zwischen individueller Leistung
und individueller Erholung anregen
- ihnen zumutbare Leistungen und Eigenverantwortung abverlangen – auch im
Sinne von etwas zumuten, damit sie sich über die Arbeit auch verwirklichen können
- konkret öfter den oben genannten Kompromiss abverlangen, um die Identifizierung  mit der Arbeit zu optimieren.

Laut einer Studie der Universität Toronto ist sachgemäße Medikamenteneinnahme die Ursache für jeden vierten Todesfall in den USA – ich betone sachgemäße Einnahme. Schlucken wir zu viele Pillen? Warum haben Medikamente immer noch so viele starke Nebenwirkungen? Wird in dieser Richtung, nämlich maßgeschneiderte Medikamente ohne Nebenwirkungen herzustellen, zu wenig geforscht?
Großes Gebiet! Stichworte:
- Pharma-Unternehmen wollen und müssen genauso Gewinne maximieren, deshalb erstens Umsatz und öfter eher nachgeordnet Verträglichkeit.
- Reparaturmentalität der Ärzte und Patienten, der Gesellschaft
- Wirkung ohne Nebenwirkung gibt es nicht, fast kann man sagen, je stärkere
Wirkung ich verlange, desto mehr Nebenwirkung. Nur Regulationsmedizin, also mit Reizwirkungen, sind nebenwirkungsarm.
- Nebenwirkungen sind einmal direkte Wirkungen des Medikamentes, zum anderen – oft gefährlicher – Folgen der Falschbehandlung, also der nicht ursächlichen Behandlung, weil sich die Krankheit oft weiterentwickelt, chronisch und/oder gefährlich wird.
- zuwenig Interesse an kausalen Veränderungen, weil schwierig und zu teuer, weil umfassend und zeitraubend. Ich würde auch nicht „die“ Ursache für jeden vierten Todesfall, sondern eine sehr wichtige Ursache sagen.

Wie sieht die Medizin der Zukunft aus?
Weiß ich nicht; ich hätte Wunschvorstellungen. Mittelfristig keine wesentliche Änderung der Richtung.

Welchen konkreten Nutzen können die Teilnehmer Ihres Seminars „Persönliche Leistungskraft erhalten“ in ihren privaten und beruflichen Alltag mitnehmen?
Unter anderem: Viel Bewusstsein über sich selbst und speziell den eigenen Körper – mit seinen Schwächen und Stärken – erlangen; Aussagen meines Körpers über mein Wesen verstehen; bestimmte Übungen tun, um auch körperliche Schwächen zu verbessern; Entspannungs- und Konzentrationsübungen machen; Orientierung erlangen, wie eventuelle Krankheiten zu behandeln sind, welche Bedeutung sie für mein Leben haben; die eigene Umwelt erkennen und verbessern; mehr Selbstvertrauen, auch durch bessere Kenntnisse erzielen; auch mehr Sicherheit in Beziehungen und Beruf gewinnen.

PERSÖNLICHE FRAGEN AN DR. MED. DIETER GABANYI:
Welche drei herausragenden Persönlichkeiten haben Sie kennen gelernt, hätten Sie gerne kennen gelernt oder würden Sie gerne kennen lernen?
- Dr. Martin Stübler, mein wichtigster Lehrer;
- Goethe und Hahnemann hätte ich gerne gekannt;
- viele interessante Menschen, Schriftsteller, Künstler, wovon ich keinen herausheben kann.

Welche Erfindung bewundern Sie am meisten?
Das Rad.

Was ist für Sie die größte Herausforderung der Menschheit im 21. Jahrhundert?
Keine irreparablen Schäden an der Umwelt zu hinterlassen.

Was verstehen Sie unter Glück?
Unverhofft und mit wenig Aufwand zu Lösungen zu kommen.

Was halten Sie für Ihren größten Erfolg?
Es bis jetzt geschafft zu haben.

Ihr Lebensmotto?

Habe ich mir nie überlegt, vielleicht: keine Herausforderung übersehen.

Vielen Dank, Herr Dr. Gabányi, für das Interview.
(Das Interview führte Christina Kral-Voigt, Kundenberatung / Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Management Centrum Schloss Lautrach.)

Dr. med. Dieter Gabányi, Internist und Homöopath in Privatpraxis.
Seit ca. 20 Jahren Referent und Dozent in medizinischer Fortbildung für Ärzte und Laien. Philosophische und politische Studien. Autor und Herausgeber von Fachbüchern und Schriften für den Laien. Begleiter auf dem individuellen Weg zur Lebensverwirklichung. Durchführung von ganzheitlichen Therapien durch Unterstützung und Anregung der Heilfähigkeiten.

Weitere Informationen zum Seminar „Persönliche Leistungskraft erhalten - ein ganzheitliches Gesundheitstraining“ mit Dr. med. Dieter Gabányi finden Sie auch hier auf unserer Homepage.

Erstellungsdatum: 17.02.2006