Seminarberatung
Frau Christina Kral-Voigt, Telefon 0 83 94/9 10-4 15, E-Mail: seminare@mcsl.de
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Begleiter des Seminars: Besinnungs- und Einkehrtage für Führungskräfte
Pater Alexander Hoppert von der Benediktinerabtei OttobeurenDas Seminar „Besinnungs- und Einkehrtage“ richtet sich an Führungskräfte, die über ihre Führungsrolle und ihr Leben reflektieren möchten. Was macht gerade ein Kloster zu einem idealen Ort für ein solches Seminar?
Die Ruhe, die eine konzentrierte Reflexion ermöglicht und die Rhythmisierung dieser Reflexion.
Erleben Sie Führungskräfte als „suchende“ Menschen? Wie zeigt sich das und nach was suchen diese Menschen?
Die Führungskräfte, die bei uns einkehren, sind überwiegend „suchende“ Menschen. Das zeigt sich aus den Fragen, die sie stellen. Sie suchen wohl nach dem „Sinn“ ihres Tuns und nach Maßstäben für ihr Handeln im Beruf und in ihrer je ganz verschiedenen Lebenssituation.
Wie sieht die Einbindung in das klösterliche Leben für die Seminarteilnehmer aus?
Die Seminarteilnehmer nehmen an den Gebetszeiten, der Heiligen Messe sowie an den Mahlzeiten der Mönche im Refektorium teil. Während der sogenannten Rekreation kommen sie auch mit einzelnen Mönchen ins Gespräch.
Was sind die primären Ziele und der Nutzen der „Besinnungs- und Einkehrtage“ für Führungskräfte?
Das Ziel der Einkehrtage ist weniger die Vermittlung von Wissen über die Führung eines klösterlichen Betriebs, sondern die Erarbeitung von Kriterien, die einen Menschen befähigen, andere Menschen zu führen, mit ihnen „menschlich“ umzugehen und sie als Persönlichkeit zu respektieren. Es geht also um die „Arbeit“ an der eigenen Person.
Wie kann man die Erfahrungen im Kloster nachhaltig in den Alltag umsetzen?
Je nach Bereitschaft, sich auf die benediktinischen Kriterien für menschliches Handeln einzulassen, können Erfahrungen, die der Einkehrende macht, im unternehmerischen Alltag und natürlich darüber hinaus umgesetzt werden. Voraussetzung dafür ist stets die Reflexion über die Kriterien. Wie der Betreffende gewissermaßen das Ergebnis seiner Reflexion im Alltag umsetzt, muss er selbst entscheiden. Von vielen Teilnehmern hören wir später, dass sie vieles daran gesetzt haben, andere besser zu verstehen, einander besser zuzuhören, ihre Entscheidungen auf ein rechtes Maß zurückzuführen und zu den „eigenen Wurzeln“ hinab zu steigen. Aber das sind natürlich nur einige wenige Ansätze.
Die Regel des Heiligen Benedikt von Nursia bestimmt seit 1500 Jahren das Leben der benediktinischen Mönchsgemeinschaften. Was können Manager von der Führung eines Klosters lernen?
Die Regel des Heiligen Benedikt aus dem 6. Jahrhundert nimmt, was die Führung einer klösterlichen Gemeinschaft anbelangt, insbesondere den Abt und den Cellerar in den Blick. Für diese beiden Personen werden Persönlichkeitskriterien aufgestellt, die für jede Führungskraft in der Wirtschaft gelten können. Ich nenne da nur ein Kriterium, nämlich vorausschauend und besonnen zu handeln und stets das rechte Maß zu halten.
Welche Impulse aus der Benediktregel können die Seminarteilnehmer in die Führungspraxis konkret übernehmen?
Ich möchte drei Impulse nennen: die Kunst zuzuhören, die Abschätzung von Maß und Ziel sowie die Erkenntnis, nicht herrschen, sondern dienen zu wollen.
Was für eine Art Führungspersönlichkeit war Benedikt von Nursia? Worin zeigte sich sein spezifisches Charisma?
Der Heilige Benedikt ist als Person nur schwer auszumachen. Er tritt eher hinter seiner Regel zurück. Sein Biograph Papst Gregor der Große bezeichnet ihn als einen „Mann Gottes“, was eher auf eine spirituelle Führungspersönlichkeit hindeutet.
Welche aktuellen und zukünftigen Herausforderungen sehen Sie für eine Mönchsgemeinschaft? Und wie stellen sich die Mönchsgemeinschaften diesen Herausforderungen?
Der Mönch macht sich auf den Weg, Gott zu suchen. Das ist in einer Welt, die sich zunehmend von Gott abkehrt, Chance und Herausforderung zugleich. Die „Söhne des Heiligen Benedikts“ sehen sich in der Tradition der Kirche verwurzelt, versuchen aber zugleich Anpassung an die veränderten Zeitverhältnisse. Diese ständige Reformbereitschaft hat wohl zu der über 1500jährigen Tradition geführt.
Paulus, Benedikt, Franziskus, Ignatius und viele andere waren relativ jung, als sie ihre Gemeinschaften ins Leben riefen. Wie ist die Alterspyramide in den Klöstern in unserer Zeit? Haben Sie Nachwuchsmangel?
Die Alterspyramide ist in den einzelnen Klöstern höchst unterschiedlich. In unserem Kloster ist das Durchschnittsalter nicht sehr hoch und wir haben keinen Mangel an Nachwuchs.
Welches sind die vielfältigen Tätigkeitsfelder benediktinischer Klöster?
Die Tätigkeitsfelder benediktinischer Klöster können sich sehr voneinander unterscheiden. In den bayerischen Klöstern nimmt die Arbeit in der Seelsorge sowie die Bildungs- und Erziehungsarbeit in den klostereigenen Schulen einen breiten Raum ein. Wissenschaft und Kunst gehören zu den traditionellen Arbeitsbereichen. Nicht zu vergessen sind die verschiedenen Handwerke und die Tätigkeit in der Landwirtschaft. Die Aufnahme von Gästen ist Ausdruck benediktinischer Gastfreundschaft.
Durch welche Rituale ist der Tagesrhythmus im Kloster geprägt?
Der Tagesrhythmus eines Benediktinerklosters ist geprägt von Gebet, Arbeit und geistlicher Lesung.
Welchen tieferen Sinn haben die mönchischen Rituale? Und wie können sie für die aktuelle Lebensführung von Führungskräften von Nutzen sein?
Im Vollzug von Ritualen kommen bestimmte innere Haltungen zum Ausdruck. Daher kann es inhaltlich zwischen einem religiös motivierten Ritus und einem Ritual in der Wirtschaft wohl kaum eine Übereinstimmung geben. Dennoch haben Rituale im Sinne eines normierten und fixierten Verhaltens auch in der Wirtschaft ihren guten Sinn.
Die Benediktregel ist geprägt von Hierarchie und Rangordnung. Finden Sie Hierarchien noch zeitgemäß, wo viele Unternehmen auf „flache“ Hierarchien stolz sind? Welche Erfahrungen haben Sie damit als Mönch und aus Ihrer langjährigen Tätigkeit in der Wirtschaft gemacht?
Die klösterliche Hierarchie darf nicht als funktionelles Ordnungssystem verstanden werden, sondern gründet in Spiritualität. Sie ist, wie in ihrer Bezeichnung zum Ausdruck kommt, eine „heilige Ordnung“, auf die sich ein Unternehmen wohl kaum stützen kann. Wer eine spirituelle Haltung hat, kann die klösterliche Hierarchie ohne Weiteres akzeptieren.
Ein wesentliches Element der Benediktsregel ist die „Kultur des Hörens“, wozu auch das Schweigen gehört. Was bewirkt die Erfahrung von Stille im Kloster?
Im Schweigen „verliert“ sich der Mensch in die Gegenwart eines anderen hinein – zu Gott, aber auch zum Mitmenschen und letztlich zu sich selbst. Das Hören nach innen hat daher keineswegs nur eine spirituelle Bedeutung für Mönche, sondern lässt jedem Menschen Aufmerksamkeit wachsen, die Gedanken sammeln und schließlich auch loslassen, um frei zu werden, um zu erkennen und zu tun, was man eigentlich will.
PERSÖNLICHE FRAGEN AN PATER ALEXANDER HOPPERT:
Welche drei herausragende Persönlichkeiten haben Sie kennen gelernt, hätten Sie gerne kennen gelernt oder würden Sie gerne kennen lernen?
Joseph Ratzinger, Bernhard Hanssler (1907 – 2005, Prälat und langjähriger Geistlicher Direktor im Zentralkomitee der deutschen Katholiken) und Robert Spaemann (* 1927, deutscher Philosoph).
Welche Erfindung bewundern Sie am meisten?
Die Erfindung des Füllhalters.
Was ist für Sie die größte Herausforderung der Menschheit im 21. Jahrhundert?
Die Abkehr von Gott.
Was verstehen Sie unter Glück?
Die Übereinstimmung mit Gott, seinen Nächsten und sich selbst.
Was halten Sie für Ihren größten Erfolg?
Die Erkenntnis, dass ich nichts weiß.
Ihr Lebensmotto?
Memento mori.
Pater Alexander, vielen Dank für das Interview.
(Das Interview führte Christina Kral-Voigt,
Kundenberaterin im Management Centrum Schloss Lautrach)
Pater Alexander Hoppert (OSB), Mönch der Benediktinerabtei Ottobeuren.
Studium der Rechtswissenschaften. Über 17 Jahre Tätigkeit in der Wirtschaft als Justitiar eines Wirtschaftsverbandes mit Schwerpunkt Unternehmensberatung du Wirtschaftsprüferausbildung. Lehrtätigkeit an verschiedenen Fachhochschulen. Danach Studium der Theologie und Eintritt in die Abtei Ottobeuren, wo er u.a. Seminare und Exerzitien hält.
Weitere Informationen zum Seminar „Besinnungs- und Einkehrtage für Führungskräfte“ mit Pater Alexander Hoppert (OSB) und Pater Dr. Theodor Lutz (OSB) finden Sie...-> hier