Bericht über die Betriebsbesichtigung bei der HS-Systemtechnik GmbH in Kaufbeuren-Neugablonz
Am Donnerstagnachmittag machten sich 12 Mitglieder unseres Freundeskreises auf den Weg nach Kaufbeuren-Neugablonz. Ein außergewöhnliches Timing, da doch jeder von uns zu dieser Zeit mitten in seiner Arbeit steckt. Die Betriebsbesichtigung bei der HS-Systemtechnik GmbH war auf den späten Donnerstagnachmittag angesetzt, um uns die Möglichkeit zu eröffnen, die Menschen und Maschinen bei der Arbeit zu sehen, um auch weniger technikorientierten Freundeskreis-Mitgliedern das Tun (Herstellung von Metallerzeugnissen) in dem Betrieb anschaulich zu machen.
Schon das Ankommen war ein Treffen unter Freunden. Wer sich nicht schon im Hof der HS-Systemtechnik GmbH getroffen hatte, sah sich spätestens in der neuen Fertigungshalle. Wir freuten uns, einander wieder zu begegnen und uns miteinander austauschen zu können. Wer nun glaubt, sich lediglich in einer neuen großen Halle zu befinden, der war überrascht, zumindest ging es mir so. Ich fand mich Bildern der Künstlerin Frau Fenk gegenüber, sie hatte sich u. a. auf Linolschnitte spezialisiert. Eine tolle Idee – Technik meets Kunst. Hierzu aber später noch mehr. Als die Gruppe vollständig war, begrüßten uns die beiden Geschäftsführer Herr Melzer und seine Tochter Frau Heiß herzlich.Nachdem Herr Melzer uns in die 62-jährige Firmengeschichte mit seinen heute ca. 45 Mitarbeitern eingeführt hatte, lud er uns zu einer kleinen Stärkung ein, bevor wir uns auf den informativen Rundgang auf dem Betriebsgelände machen sollten. Wir teilten uns in 2 Gruppen auf, die eine Gruppe begann im „alten“ Firmengebäude, meine Gruppe begann den Rundgang in der neuen Fertigungshalle. Beim Bau der Halle wurde schon auf viele ergonomisch wichtige Details geachtet. Die Halle ist mit einer speziellen Wandverkleidung ausgestattet, welche schallaufnehmend wirkt, die Lichtverhältnisse sind dem Tageslicht nachempfunden und die Belüftungstechnik ist so konzipiert, dass staubfreies Arbeiten möglich ist. Der Materialfluss des Fertigungsprozesses bestimmte den Rundgang. Schon der Platz, an dem die Coils angeliefert werden, war bei der Planung der neuen Halle mit einbezogen worden. Die Anlieferung in der Halle ermöglicht eine witterungsunabhängige Entladung der beliefernden LKW´s. Die Coils werden in der Halle gelagert. Je nach Fertigungsteil wird der entsprechende Coil, welche sich durch die Art, Stärke und Breite des „aufgewickelten“ Metalls (z. B. Leichtmetall, Stahl, Edelstahl, Legierungen usw.) unterscheiden, auf den Dorn des Abwicklers gespannt. Über eine Richtstrecke wird der „Metallstreifen“ mittig in die Zani-Presse (630 t–Maschine) eingeführt, diese presst dann mittels eines montierten Werkzeugs das beauftragte gestanzte Metallteil. Diese werden säuberlich in einer Transportkiste gestapelt. Der Metallabfall wird automatisch in Boxen zum Entsorgen gesammelt. Spätestens bei der unterirdischen Schrottentsorgung wird noch einmal klar, dass diese neue Fertigungshalle an die Maschine und die Zukunft angepasst wurde. Ein starkes Fundament, welches über einen Meter in den Boden reicht, trägt die Presse. Eine bestimmte Fertigungstechnik des Standplatzes gewährleistet für die Mitarbeiter ein erschütterungsfreies Arbeiten. Wir erfahren, dass diese neue Presse ein Alleinstellungsmerkmal für die HS-Systemtechnik GmbH im Umkreis von 100 km ist, da sie erlaubt Materialstärken von bis zu 10 mm zu stanzen. Dies macht sich nun auch in Krisenzeiten, wie wir sie jetzt durchleben, positiv bemerkbar, da Mitbewerber nur ca. 4 – 5 mm Materialstärken bearbeiten können. Die Werkzeuge für die Zani-Presse werden von einem strategischen Lieferanten geliefert oder aber im Werkzeugbau selbst gebaut. Es stehen ca. 150 Werkzeuge zur Verfügung. Hier entwickelten sich interessante Gespräche über die Verspannung von Werkzeugen. Durch den Wechsel in die seit längerem bestehende Fertigungshalle hatten wir die Möglichkeit, einen Überblick über das Produktportfolio in einem Schaukasten zu bekommen. Ein Ausstellungsstück zeigte ein neues Betätigungsfeld des Unternehmens – die Lüstertechnik. Hier verspricht man sich durchaus Chancen, da die HS-Systemtechnik ein Mittelständler ist, der durchaus flexibel reagieren kann. Nebst der Entwicklung/Konzeption befinden sich auch die Bereiche Werkzeugbau, die Fertigung mit ihrer Exzenterpressenlinie und den CNC Bearbeitungszentren (hier wird eine Materialstärke bis zu 3 mm verarbeitet) und Büro/Verwaltung in dieser Halle. Unser Weg führt uns vom Werkzeugbau über die Konstruktion zu den Knopfschubladen, vor denen ein wunderschöner Lüster mit Swarowski-Steinen hängt. In den vielen Knopfschubladen befinden sich Erst- und Letztmuster von Knöpfen und Zierteilen, die ursprünglich einmal von der Hans-Schmied-GmbH produziert wurden und z. T. noch werden. Das Schubladenaufziehen machte großen Spaß, da wir hier doch einige wunderschöne Knöpfe bestaunen konnten, es gab uns einen kleinen Überblick über die Produktpalette des Knöpfe- und Zierteilespezialisten. Von Blusen- über Blazerknöpfe und Zierteilen war hier viel zu finden. Über den Weg zu den Abkantmaschinen lernten wir den Begriff „toxen“ (ein Rundstempel presst zuverbindende Materialien so zusammen, dass durch das „Hinterfließen“ des Metalls keine Ansatzpunkte für Korrosion geboten werden) kennen. An den Arbeitsplätzen fürs Löten, Nieten, Schweißen vorbei wurde noch einmal klar, dass hier die Erfüllung der Kundenwünsche im Mittelpunkt steht.
Ein breites Kundenportfolio aus 10 Branchen trägt zur Sicherung der Arbeitsplätze bei, genauso die Tatsache, dass die HS-Systemtechnik Klein- und Mittelmengen aber auch Nischenprodukte fertigt und somit von der Massenproduktion unabhängig ist. Dies hilft dem Unternehmen nun auch stark in der Rezession. Die Nähe zu den Kunden ist ein weiterer Marktvorteil, den die Kunden sehr schätzen.
Am Ende des Rundgangs versammelten wir uns noch einmal alle gemeinsam an der 630 t- Maschine, an der uns Herr Melzer noch abschließend einige technische Erklärungen gab. Voll dieser technischer Eindrücke hatten wir nun, nachdem die Produktion beendet war, die Gelegenheit mit Frau Fenk über ihre extra für uns zusammengestellten Kunstwerke unter dem Titel „Erotik + SMS“ zu fachsimpeln.
Es war eine gelungene Ausstellung, die so manche Fantasie anregte. Herr Melzer und Frau Heiß luden uns abschließend zu einem Imbiss mit Spezialitäten aus Kaufbeuren-Neugablonz ein. Bei einer aufgelockerten Stimmung wurde noch so manches Fachgespräch oder aber eben einfach Gespräche unter Freunden geführt. Der Freundeskreis des MCSL bedankt sich herzlich bei Frau Heiß und Herrn Melzer für den informativen und interessanten Einblick in ihre Firma und wünscht für die Zukunft und die jetzt schwierigen Zeiten alles Gute.
Monika Plank
2. Vorsitzende des MCSL-Freundeskreis
Erstellungsdatum: 19.02.2009



