Bericht zum Seminar "Körpersprache in der Führung" mit Ludger Beckmann und Karl Metzler vom 18. - 19.07.2008
Aufbau des Seminars
Mit ganz unterschiedlichen Erwartungen im Gepäck waren die 11 Teilnehmer des Seminars „Körpersprache in der Führung“ nach Lautrach angereist. Die zwei Tage aber haben gezeigt, dass das Trainer-Duo Ludger Beckmann und Karl Metzler es ausgezeichnet verstand, die Komplexität des Themas „Körpersprache“ inhaltlich gut aufzubrechen und methodisch gekonnt aufzubauen. Die besondere Note dabei war, die Genialität der Körpersprache eines Pantomimen mit dem psychologischen Fundament in passender Weise zu kombinieren, um sich der Thematik dabei sowohl spielerisch von außen als auch wissenschaftlich basiert von innen zu nähern. Im Spiel konnten wir so beobachten und selbst erleben, wie geschwätzig unser Körper ist. Ein Nicht-Kommunizieren ist nicht möglich. Aus diesem Erleben heraus konnten wir immer wieder Erkenntnisse ziehen und diese in verschiedenen Situationen in die Tat umsetzen.
Der erste Tag
Der erste Tag diente in erster Linie der Analyse des eigenen Standorts. Er stand ganz unter dem Motto des Dichters Antoine de Saint-Exupéry: „Erkennen heißt nicht zerlegen, auch nicht erklären. Es heißt Zugang zur Schau finden Aber um zu schauen, muss man erst teilnehmen. Das ist eine harte Lehre.“
Inhaltlich beschäftigten wir uns zunächst mit den sechs Urgebärden sowie deren Qualitäten:
1. DEUTEN
Die erste Gebärde trifft wie ein Pfeil.
2. FLIESSEN
Die zweite Gebärde fließt wie eine Welle.
3. WEGSCHLEUDERN
Die dritte Gebärde wirft weg wie ein Wirbelwind.
4. INNEHALTEN
Die vierte Gebärde hält inne wie ein Stein.
5. ROLLEN
Die fünfte Gebärde pendelt in erregter Spannung von einer Richtung zur anderen.
6. ZU SICH STEHEN
Die sechste Gebärde steht wie ein Baum.
Urgebärde Helle Qualität Dunkle Qualität
1 sich entscheiden engstirnig sein Ziel verfolgen
2 aufnehmen zerfließen
3 das Gegenüber achten verachten
4 sich zurücknehmen verstocken
5 zweifeln verzweifeln
6 zu sich stehen
Diese Urgebärden nutzend versuchten wir uns auf der Bühne mit Übungen zu einzelnen Gebärden im körpersprachlichen Ausdruck, diese Urgebärden nutzend. Überraschend war, wie in Verbindung mit einem gesprochenen Satz sich die Wirkung auf die Zuschauer aufgrund der Übereinstimmung oder Diskrepanz zwischen Wort und Geste veränderte.
Ein Schwerpunkt im Seminar war von unserem Inneren heraus auf die Körpersprache zu blicken. Wir versuchten daher, uns aufgrund besonders ausgeprägter Merkmale im so genannten "Raum - Zeit"- oder auch Riemann-Kreuz zwischen den Polen (Grundtypen) „Nähe“ und „Distanz“ auf der einen Achse und „Wechsel“ und „Dauer“ auf der anderen Achse zu positionieren und daraus dann Erkenntnisse über uns Selbst zu gewinnen. Diese finden wir auch in unseren eigenen "Körper-Sprachmustern" wieder.
Abgeschlossen wurde der erste Seminartag durch ein intensives Feedback auf ausgewählte Gesten der Teilnehmer in der Kleingruppe oder vor dem Plenum.
Beim Ausklang in der Bierstube kam trotz der erkennbaren mentalen Nachbereitung und der teilweise vertiefenden Einübung des tagsüber Erlernten auch die verbale Kommunikation nicht zu kurz.
Der zweite Tag
Der zweite Tag diente der Klärung der Frage: „Wo wollen wir hin?“. Dies unter dem Leitsatz der Veränderung (Moshe Feldenkreis): „Du kannst nicht tun, was Du willst, solange Du nicht weißt, was Du tust.“ Neben diesem Schwerpunkt setzten wir uns mit einzelnen Aspekten der Körpersprache im Alltag wie Begrüßungsritualen in Theorie und Praxis auseinander.
Der Weg zur Entwicklung führt, wie uns Ludger Beckmann und Karl Metzler anschaulich nahe bringen konnten, nicht allein über die Förderung der Stärken, sondern über die Stärkung der im Riemann-Kreuz transversal gelegenen Qualitäten, dem Schatten unseres Stärkefeldes. Dies basiert auf der Erkenntnis, dass eine immer stärkere Ausprägung einer Qualität zu einer Übersteigerung und letztlich zu einem Engpass führt: „Vom selben MEHR wird WENIGER.“
Durch aktives „Hineintauchen in den transversalen Quadranten“ des Riemann-Kreuzes - sprich das Komplement unserer Stärken - wurde von den Teilnehmern im Spiel mit Gebärden ein unverhofftes Wohlbefinden ausgemacht. Sehnsüchte sind nach den Erklärungen der Trainer die Initiatoren dieses Wohlbefindens.
Mit fortschreitender Seminardauer war zu beobachten, wie die Auseinandersetzung mit der Thematik zunehmend tiefer wurde. Der intensive Transfer der Erkenntnisse aus dem Spiel auf den eigenen Standpunkt war deutlich erkennbar. Es wäre jedoch falsch zu vermuten, dass uns dies schwer gefallen ist. Das Spiel förderte auch ein Lachen oder zumindest ein Lächeln und schuf eine angenehme Leichtigkeit und Lockerheit.
Resumée
Das Seminar ist eine Bereicherung, ein Ansatz zum bewussten Umgang mit Körpersprache. Der methodische Aufbau: „Spielen à Erleben à Erkennen à Tun“ forderte und förderte die permanente Auseinandersetzung mit der Thematik. Die beiden Trainer haben uns mit der Leichtigkeit des Spiels viele Facetten der Körpersprache nahe gebracht. Es gilt die Erkenntnisse nun abzuwägen und zu vertiefen, damit sie Eingang in das tägliche Handeln finden können.
Dr. Georg Haindl


