Interview mit Michael Pohl

Herr Pohl, als Trainer und Coach ist ein Schwerpunktthema Ihrer Arbeit »New Leadership«. Was bedeutet dieser Begriff für Sie?
Führungskräfte sind immer öfter mit komplexen und neuartigen Problemen konfrontiert. Das sind Situationen, bei denen Wissen und Erfahrung nicht oder nur sehr eingeschränkt weiterhelfen. New Leadership sind für mich Ansätze, die mich als Führungskraft in solchen »Umgebungen« trotzdem handlungsfähig und wirksam machen.

Was würden Sie im Gegensatz dazu als »old fashioned« bezeichnen? Was kommt nicht aus der Mode?
Altmodisch scheint mir das Festhalten an der Rolle als »Entscheider« oder auf hierarchische Entscheidungsfindung zu bestehen, auch wenn sie nicht mehr funktioniert. Altmodisch ist für mich auch unreflektiertes Verhalten als Führungskraft, oder wenn man sich nicht immer wieder selbst in Frage stellt und auch bereit ist einzugestehen, dass man vielleicht eher Teil des Problems als der Lösung ist. Und altmodisch finde ich auch das Menschenbild in vielen Organisationen, das sich sehr treffend mit »human resources« umschreiben lässt. Mir gefällt da »resourceful humans« besser.
Ich glaube, nie aus der Mode kommen Werte und Prinzipien – die echten, gelebten Werte, die Menschen Orientierung geben. Und nicht aus der Mode werden auch klassische Aufgaben des Managements kommen, also für Ziele, Strategie, Pläne und Umsetzung zu sorgen – nur wird das in einer anderen Kultur stattfinden.   

Welche sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen, denen sich Führungskräfte aktuell gegenübersehen?
Zurzeit treffen fundamentale Transformationsprozesse wie Digitalisierung oder Nachhaltigkeit zusammen mit latenten und akuten Krisen. Das erhöht die Komplexität dramatisch, Vorhersagen sind kaum mehr möglich.

Welche inhaltlichen oder philosophischen Einflüsse haben Sie geprägt und sind für Ihre Arbeit als Trainer essentiell?
Vor vielen Jahren habe ich die Gestaltpsychologie kennengelernt und Coaching und später Gestalttherapie gelernt. Diese bezieht sich auf das dialogische Prinzip, das Martin Buber beschrieben hat. Da ich selbst erlebt habe, wie prägnant nicht nur seine Philosophie, sondern auch Veränderungsprozesse im Rahmen der Gestaltarbeit sein können, hat mich immer interessiert, wie sich das in den organisationalen Kontext bringen lässt.

In Ihrer Arbeit nutzen Sie auch digitale Technologien wie Virtual Reality (VR). Wie kam es dazu?
Mein Geschäftspartner Robert Schaffner hat Michael Schranner und Lukas Karwan von Lumium kennengelernt und war sofort begeistert. Ich habe etwas länger gebraucht, bis ich es ausprobieren wollte. VR war für mich eher eine Spielerei, die ich von meinem Sohn kannte. Als ich es dann aber erlebt habe, war ich geflasht und habe sofort gesehen, welches Potential darin liegt – insbesondere in der Führungskräfteentwicklung.

Welche Chancen und Möglichkeiten bietet das sogenannte »Immersive Learning« – speziell für Führungskräfte? Und welche Vorteile können sich zu klassischen Lernformaten ergeben?
In Trainings versucht man immer, nicht nur Inhalte, sondern vor allem Erfahrungen zu vermitteln. Aber das hängt immer davon ab, wie sehr sich Teilnehmende darauf einlassen, und oftmals ist wenig Zeit für den Erfahrungsteil eines Trainings übrig. VR bietet die Chance, sofort und unmittelbar in einen anderen »Raum« einzutauchen. In sehr kurzer Zeit kann ich dort emotionale und körperliche Erfahrungen machen, die auf anderem Weg weniger intensiv sind oder länger brauchen. Allerdings: Es ist auch nur ein Werkzeug neben anderen. Ich würde es nur dort einsetzen, wo es passt.

Wie setzen Sie die Technik im Seminarkontext um? Wie lassen sich Inhalte transportieren bzw. erfahrbar machen?
Anstatt von Agilität, Komplexität, Unsicherheit etc. zu SPRECHEN, gehen wir mit den Teilnehmenden in einen komplexen, unsicheren Raum – in die Virtual Reality –, in der nur agile Kompetenzen weiterhelfen. Wissen und Erfahrung sind dort obsolet. Es ist immersiv und radikal, die gedankliche Umstellung passiert schnell und die Teilnehmenden machen ohne Umwege eine tiefe Erfahrung. Diese reflektieren wir dann im analogen Raum aber weiter.

Gibt es besondere Aha-Erlebnisse, die Sie mit Führungskräften oder Teams in einem virtuellen Setting regelmäßig erleben?
Ja, das pure, unverstellte, freudige und leuchtende Gesicht, mit der die Teilnehmenden aus der VR kommen. Manager:innen gehen rein, Menschen kommen raus.

Welchen konkreten Nutzen können Führungskräfte aus unserem neuen Seminar »Erfolgreich führen in Komplexität und Unsicherheit« ziehen?
Wie schon gesagt werden unser Leben und unsere Welt komplexer. Das ist keine neue Erkenntnis. Die Frage ist: Besitzen wir die Kompetenzen, um damit umzugehen? Das Seminar macht nicht nur Aussagen oder liefert theoretischen Input hierfür – wir machen diese Fähigkeiten erlebbar und helfen beim Transfer in die individuelle Welt der Führungskräfte. Ach ja, und es macht Spaß!

Vielen Dank für das Gespräch!
Interviewfragen: Manuel Christa, Projektmanagement | Marketing

Ihr Trainer

Michael Pohl 
Selbstständiger Trainer und Coach

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