Aufbau einer Wertegemeinschaft

 

Dynamische Märkte fordern von Unternehmen aller Branchen Höchstleistung. Diese entsteht zum einen aus dem Können von Individuen, die in der Lage sind, aktuell anstehende Probleme kreativ zu lösen. Den zweiten Aspekt unternehmerischer Höchstleistung beschreibt der Autor Michael LeBoeuf mit folgenden Worten: »Niemand auf dieser Erde erreicht etwas allein aus eigener Kraft. Wir leihen uns gegenseitig Ideen, Zeit und Energie, und diese gegenseitige Hilfe gehört zu unserer menschlichen Reife«. Er verweist damit auf den Aspekt des Zusammenwirkens von einzelnen Individuen zu einem synergetischen Ganzen. Die individuelle Kompetenz erlangt ihre wirklich schöpferische Kraft erst im Zusammenspiel mit anderen. Der bekannte Benediktinerpater David Steindl-Rast drückt dieses Geschehen folgendermaßen aus: »Jeder kann nur einen Teilaspekt leben, aber in unserer Verbundenheit stellen wir das Ganze her«.

Untenehmen und die darin wirkenden Führungsverantwortlichen sind daher aufgefordert, sowohl das individuelle Können zu fördern als auch stabile Gemeinschaften aufzubauen, in denen sich das individuelle Talent mit anderen vernetzen und bereichern kann. Diese zwei Herausforderungen decken sich mit unserem abendländischen Menschenbild, das die Doppelnatur des Menschen zur Grundlage hat. Zum einen die Individualnatur, der Mensch als Individuum, als einzigartige und unverwechselbare Person und zum anderen die Beziehungsnatur, der Mensch als ein auf Beziehung hin angelegtes und hingeordnetes Wesen. Der Mensch scheint also von Natur aus bestens gerüstet zu sein, beide Aspekte von Höchstleistung zu leben: Verwirklichung des spezifischen, individuellen Talents und synergetisches Zusammenwirken im Sinne des Füreinanders.

Was zeichnet eine Gemeinschaft aus?
Eine gängige Definition lautet: »Unter Gemeinschaft versteht man die zu einer Einheit zusammengefassten Individuen (Gruppe), wenn die Gruppe emotionale Bindekräfte aufweist und ein Zusammengehörigkeitsgefühl (Wir-Gefühl) vorhanden ist«. Emotionale Bindung und ein Wir-Gefühl entsteht nach unserer Auffassung dann, wenn wir als Gruppe auf einen gemeinsamen Kanon an Werten bauen können und uns hinter eine gemeinsame Mission stellen können. Werte können definiert werden als »Grund der Bevorzugung einer Sache vor der anderen, einer Einstellung vor einer anderen etc.« (Alfried Längle). Werte sind damit Entscheidungsgrundlagen und haben orientierenden Charakter. Darüber hinaus bringen uns Werte in Bewegung, weil sie auch einen motivierenden Charakter haben. Werte sind wie Magneten, ziehen uns an und geben uns Gerichtetheit.

Der bekannte Logotherapeut Alfried Längle drückt es folgendermaßen aus: »Ohne Werte ist der Mensch nicht motivierbar, kommt nicht in Bewegung«. Eine Mission ist eine sinngebende Aussage, die den tieferen Sinn individuellen bzw. unternehmerischen Handelns angibt.

Aufbau von Wertegemeinschaften
Aus dem Gesagten wird deutlich, dass ein viele Menschen im Unternehmen einbeziehender, Definitionsprozess der Unternehmenswerte ein Schritt zum Aufbau von Wertegemeinschaften ist. In diesem Prozess gilt es die individuellen Werte der Menschen im Unternehmen zusammenzuführen und zu kollektiven Werten zu bündeln. Geteilte Werte sind identitätsfördernd und vermitteln ein Gefühl von Zugehörigkeit und Sinnerfüllung. Viktor E. Frankl, der Begründer der Logotherapie, betont diesen Aspekt, indem er darauf verweist, dass die Verwirklichung von Werten eine Möglichkeit ist, um Sinn im Leben zu finden. Darüber hinaus reduzieren geteilte Werte die allgemeine Komplexität von Kommunikation, weil sie einen gemeinsamen Bezugsrahmen darstellen.

Ein zweiter Aspekt zur Bildung von Wertegemeinschaften ist die aktive Förderung von Teambildung im Unternehmen, z.B. durch Maßnahmen der Teamentwicklung. Es braucht aktives Zutun, um die Doppelkräfte der menschlichen Natur auszubalancieren, da unsere heutige Leistungsgesellschaft doch vor allem den individuellen Zug der menschlichen Natur fördert. Die konkrete Erscheinungsform nennen wir Egoismus oder Egozentrismus und beschreibt ein Verhaltensmuster, bei dem der eine auf Kosten des anderen lebt und rücksichtslosen Selbstbezug vor Solidarität stellt. Ohne Solidarität gibt es aber keine Gemeinschaft und ohne Gemeinschaft ist unternehmerische Höchstleistung nicht denkbar. Teamentwicklung beschreibt einen Prozess einer Gruppe von Menschen von einem individuellen Nebeneinander, bei dem wir die Andersartigkeit des Anderen gerade noch ertragen, zu einem Verhalten des Füreinanders, wo wir bereit sind proaktiv für den Anderen einen Beitrag zu leisten. Grundlage dafür ist die Haltung des unabdingbaren gegenseitigen Respekts, die Akzeptanz und Toleranz der Andersartigkeit. Die Haltung des Füreinanders spiegelt sich in folgenden Verhaltensweisen wider: Menschen versuchen sich gegenseitig zu entlasten; es wird nach individuellen Kräften angepackt, unterstützt und sich gegenseitig geholfen; jeder bemüht sich, durch die Steigerung eigener Qualitäten seine Mitwelt zu vervollkommnen; eigene Zielsetzungen werden hinter Teamzielsetzungen hintangestellt; jeder Einzelne fühlt sich verantwortlich fürs Ganze.

Zusammenfassung
In diesem Artikel wurde versucht aufzuzeigen, dass Höchstleitung im Unternehmen aus der Verbindung von individuellem Können und synergetischem Zusammenwirken von Menschen entsteht. Es wurden Anregungen zum Aufbau von Gemeinschaften gegeben, die diese Verhaltensweisen fördern.

Das Management Centrum Schloss Lautrach unterstützt Sie in diesem Prozess durch vielfältige Seminarangebote und die konkrete Begleitung bei Werteentwicklungs- und Teamentwicklungsprozessen.

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